Therapiemethoden
Unter der Ergotherapie versteht man ein medizinisches Heilmittel, das bei motorisch-funktionellen, neurophysiologischen, neuropsychologischen, sensomotorisch-perzeptiven oder psychosozialen Erkrankungen oder Störungen eingesetzt wird. Ziel der Therapie ist es, dem Patienten das best mögliche Maß an Selbständigkeit für den Alltag zu erhalten. Durch Übungen und den Gebrauch von Hilfsmitteln soll erreicht werden, noch vorhandene Fähigkeiten zu erhalten oder gegebenenfalls zu modifizieren. Einige der bekanntesten Verfahren in der Ergotherapie sind die kognitiv-therapeutische Übungen nach Prof. Perfetti, das Bobath-Konzept und die sensorische Integrationstherapie nach Jean Ayres. Die Grundlagen der Ergotherapie beruhen auf sozialwissenschaftlichen, medizinischen und handlungsorientierten Erkenntnissen. Ihr primärer Einsatz erfolgt bei Nervenleitungs-, Bewegungs- und Körperempfindungsstörungen und bei sozioemotionalen und psychischen Störungen. Die Ergotherapie genießt den Ruf einer anerkannten medizinischen Heilmethode und kann vom Arzt verschrieben werden.
Bei einer Behandlung mit ergotherapeutischen Methoden stehen weniger die Symptome und augenblicklichen Einschränkungen des Patienten im Vordergrund. Das Ziel der Therapie ist, die Ursache für die Störungen zu beseitigen. Da, wo die Ursachen für die Erkrankung nicht so ohne weiteres auszumachen ist, werden ebenso die Symptome mit therapiert. Durch die Behandlung soll der Patient wieder in die Lage versetzt werden, seinen Alltag in Schule, Beruf, Familie, Freunden etc. besser zu bewältigen.
Therapiemethoden
In der Ergotherapie spielen drei Therapiemethoden eine bedeutende Rolle.
Die „ausdruckzentrierte Methode“ verwendet Therapiemittel wie Musik und Bastelmaterialien. Diese Mittel dienen als Ausdrucksmittel, Kommunikationsmittel oder als Mittel zur Darstellung auf einer kreativ-gestalterischen Basis. Die Thematik ist uneingegrenzt und gefühlsbetont und ermöglicht damit eine persönliche Nähe.
Die „kompetenzzentrierte Methode“ fokussiert auf den Einsatz von ausgewählten handwerklichen Techniken. Die Übungen kommen in der Regel aus dem alltäglichen Lebensbereichen bzw. Freizeitbereichen. Sie sollen verlorengegangene und/oder neue Fähigkeiten (re)generieren, trainieren und fördern.
Die dritte Methode ist die „interaktionelle Methode“. Diese Methode beinhaltet einen gruppendynamischen Prozess, wo es um Auseinandersetzungen in der Gruppe geht, aber auch um das Miteinander in der Gruppe. Dabei könne die Teilnehmer die verschiedensten Standpunkte innerhalb der Gruppe einnehmen.
In vielen Fällen jedoch werden diese drei Behandlungsformen nicht scharf voneinander zu trennen sein. Vielmehr werden Elemente aus allen drei Formen miteinander verknüpft werden, womit auch eine individualisierte Behandlung besser gewährleistet ist. In der Praxis wird dann in der Gestaltungstherapie primär die ausdruckzentrierte Methode umgesetzt. Hier kann der Patient z.B. ein vorgeschlagenes Thema nach seinen Empfindungen und Ideen zu Papier bringen. Das Bild eines jeden Patienten wird danach der gesamten Gruppe präsentiert, vom Therapeuten zusammen mit dem Patienten angeschaut und interpretiert. Der Therapeut nimmt dabei nicht an den Deutungsversuchen teil, sondern vermittelt durch gezielte Fragen neue, weitere Denkanstöße. Die kompetenzzentrierte Therapiemethode findet in der Bürotherapie statt. Hier arbeiten die Patienten z.B. am PC, produzieren Leittexte zur Textverarbeitung und Internetnutzung etc. Diese Form der Therapie ist bestens geeignet, eine berufliche Rehabilitation einzuleiten. Die interaktionelle Methode kommt in Projektarbeiten mit wissensorientierter Thematik zur Anwendung.
